Indikation für Einsatznachsorgemaßnahmen

Eine psychische Überforderungssituation der Einsatzkräfte kann durch einzelne als extrem empfundene Ereignisse oder durch die Gesamtheit von Erlebnissen bei Einsätzen hervorgerufen werden.

Der belastende Einsatz

Auch wenn keine abschließende Auflistung der Kriterien, wann ein belastender Einsatz vorliegt, möglich ist, so kann bei Vorliegen eines oder mehrerer der folgenden Punkte von einem belastenden Ereignis ausgegangen werden.

Als Beispiele für belastende Ereignisse kommen Einsätze in Frage

mit Eigengefährdung oder Verletzung / Tötung von THW-Kameraden,
bei denen man sich selbst oder andere verletzt hat,
bei denen Kinder beteiligt sind bzw. geschädigt wurden,
bei denen mehrere Menschen ums Leben gekommen sind bzw. verletzt wurden,
bei denen das / die Opfer den Helfern bekannt war,
lange andauernde und dadurch besonders belastende Einsätze (mehrere Tage),
die aus sonstigen Gründen (z.B. bei starkem Medieninteresse) , als außergewöhnlich belastend erlebt werden.

Akute Belastungsreaktionen

Typische mögliche erste Symptome einer akuten Belastungsreaktion (noch keine posttraumatische Belastungsstörung!) während und/oder infolge eines belastenden Einsatzes können:

emotional Schock, Trauer, Weinen, Schuldgefühle, Aggression, plötzliche Wutausbrüche, Angst, Furcht vor ähnlichen Situationen, Blockierung von Gefühlen (wie Freude, Trauer oder Mitleid), Gefühl der Überwältigung durch das Erlebte
körperlich Starkes Schwitzen, Muskelzittern, unkontrollierte Bewegungen von Gliedmaßen, Nervosität, Unruhe, Herzrasen, Magenschmerzen, Übelkeit, Sprachprobleme, Kopfschmerzen, starrer Blick, Ein- und Durchschlafstörungen, Erschöpfungszustände
gedanklich Verzweifelte Suche nach Schuld oder Ursache für das extrem belastende Geschehen, reduzierte Entscheidungsfähigkeit und Gedächnisleistung, quälendes Wiedererleben des Ereignisses (Flashbacks)
verhaltens­
bezogen
Rückzug auf sich selbst bis zur Isolation, übertriebene Empfindlichkeit oder Här­te sich selbst oder anderen gegenüber, verminderte Belastbarkeit, verändertes Konsumverhalten bis zur Ausbildung von Süchten (Alkohol, Tablet­ten ua.), Vermeidung von Situationen, die an das Ereignis erinnern.