Allgemeines

Ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter des THW, die unmittelbar und mittelbar ins Einsatzgeschehen eingebunden sind, unterliegen im Zusammenhang mit extremen Einsatzsituationen im In- und Ausland hohen psychischen Belastungen.

Diese Belastungen können u.U. über

akute Belastungsreaktionen (Flash-Backs – Bilder / Gerüche / Geräusche, Albträume, Angst oder erhöhter Erregungszustand, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen usw.)
zu psychischen Erkrankungen (z.B. akute und posttraumatischen Belastungsstörungen) führen.

Forschungserkenntnisse der letzten Jahre auf dem Gebiet der Psychotraumatologie und die Entwicklung effizienter Interventionsmethoden zur Reduzierung von Belastungsreaktionen nach dem Erleben von Extremsituationen eröffnen heutzutage die Möglichkeit effektiv zu helfen. Sowohl eine systematische Prävention als auch eine professionelle Hilfestellung im akuten Bedarfsfall reduzieren das Ausmaß von Symptomen als auch die Wahrscheinlichkeit einer potentiellen Erkrankung nach belastenden Einsätzen.

In Deutschland hat sich als eine Möglichkeit der psychosozialen Notfallnachsorge für Einsatzkräfte die Umsetzung des CISM-Konzepts (Critical Incident Stress Management – nach Dr. Jeffrey T. Mitchell) durchgesetzt.

Das CISM-Modell basiert auf einer engen Zusammenarbeit zwischen „Peers“ und „Psychosozialen Fachkräften“ in einem Einsatznachsorgeteam.

Unter dem Begriff „Peer“ versteht man besonders geeignete Angehörige einer Organisation, Institution oder Berufsgruppe, hier also THW-Helferinnen und -Helfer, die durch entsprechende Schulung in die Lage versetzt werden, nach belastenden Ereignissen oder Einsätzen „Psychologische Erste Hilfe“ (Selbst- und/oder Kameradenhilfe) zu leisten. Voraussetzungen für die Ausbildung zum Peer sind neben der Kenntnis des organisationsspezifischen Umfeldes, Freiwilligkeit, soziale Kompetenz und eine hohe psychische Belastbarkeit.

Sie dienen als „Katalysator“ zwischen Einsatzkräften und medizinischen / seelsorgerischem Fachpersonal.

Die „Psychosozialen Fachkräfte (psFK)“ sind zum Beispiel Psychologen, Ärzte, Sozialarbeiter, Sozialpädagogen, Soziologen oder auch Seelsorger mit jeweils entsprechender Zusatzqualifikation.

Das CISM-Konzept umfasst eine Reihe von Interventionsarten:
Neben den kollegialen Einzelgesprächen, ggf. noch am Ort des Geschehens, ist die derzeit bekannteste und weit verbreitete Einsatznachsorgemethode nach CISM-Standard das „Debriefing“.
Dieses Einzel- oder Gruppengespräch soll den Menschen, die mit außergewöhnlichen Situationen konfrontiert wurden, emotional entlasten sowie die unmittelbaren Folgen und etwaige Spätschäden eines traumatisierenden Ereignisses reduzieren.

Im Sinne der Fürsorgepflicht als Arbeitgeber war im THW der Aufbau eines Gesamtsystems (bestehend aus aufeinander abgestimmten Maßnahmen der Prävention, der Intervention und der Nachsorge / Rehabilitation) erforderlich. Dieses Gesamtsystem unterliegt einer kontinuierlichen Qualitätssicherung mit fortlaufender Anpassung.